Mit einer Entfernung von immerhin 135 Kilometer zum nächstgelegenen Punkt Dänemarks, dem 128 Meter hohen Kreidefelsen auf der kleinem Insel Mon, ist die Granit- und Burgeninsel Bornholm auf den ersten Blick eher dem wesentlich näher liegenden Schweden als Dänemark zuzuordnen.
Diese Lage ist sicher mit Grund dafür, dass sich ihre Bewohner über Jahrhunderte hinweg gegen feindliche Eindringlinge zur Wehr setzen mussten. Es entstanden gewaltigen Verteidigungsanlagen, Burgen und Wehrkirchen die entweder als Ruinen oder wie im Fall der Wehrkirchen mit vier Exemplaren noch heute sehr gut erhalten sind.
Deren größte und wahrscheinlich älteste ist die im 12. Jahrhundert, in den frühen Tagen der Christianisierung im Binnenland Bornholms aus gespaltenen Granit-Feldsteinen erbaute Osterlarskirche, die im Jahr 1955 liebevoll restauriert wurde.
Ursprünglich besaß diese kirchliche, dem heiligen Lauritius gewidmete Trutzburg, die sich dreigeschossig erhebt, kein Dach. Später wurde das als Festung, Lager- und Gotteshaus fungierende Gebäude mit Holzschindeln gedeckt, die nach Jahrhunderten heute immer noch Wind und Wetter trotzen. Die ehemals kleinen Fenster wurden zu Zeiten der Reformation vergrößert und Teile der Einfriedung der Rundkirche und des freistehenden Glockenturms wurden mit Speerspitzen und Kanonankugeln als Zeichen der Verteidigungsbereitschaft verziert.
Im Inneren der gegen ein zu entrichtendes geringes Entgelt öffentlich zugänglichen Osterlarskirche sind deren zahlreiche Besucher vor allen von dem begehbaren, mit Fresken verzierten Mittelpfeiler beeindruckt, der eine kleine Taufkapelle mit dem Taufbecken beherbergt. Das teilweise von bis zu zwei Meter dicken Mauern umgebene bauliche Meisterwerk ist wegen seiner imposanten Erscheinung und seiner historischen Bedeutung mittlerweile in die Online-Weltarchitektursammlung aufgenommen.
Bei vor etwa zehn Jahren vorgenommenen geomagnetischen Untersuchungen wurde unter der Kirche ein bisher nicht bekannter Hohlraum entdeckt, der gegenwärtig Anlass zu Spekulationen über seine Funktion gibt.
Sie reichen vom Vorhandensein einer Krypta bis hin zum Lagerraum des verschollenen Templerschatzes und warten nun auf eine wissenschaftlich fundierte Klärung.